Doppelte US-Staatsbürgerschaft: Regeln, Pflichten und Steuern

Termin vereinbaren

Ob ein zweiter Pass neben dem amerikanischen zulässig ist, fragen sich Auswanderer, Investoren und deutsch-amerikanische Familien gleichermaßen. Die kurze Antwort: Das US-Recht verbietet die doppelte Staatsbürgerschaft nicht. Wer aber US-Bürger ist, bleibt gegenüber den Vereinigten Staaten voll verpflichtet — steuerlich, bei der Einreise und in einigen weiteren Bereichen, unabhängig vom Wohnort und vom zweiten Pass.

Diese Seite erklärt, was das US-Recht vorsieht, welche Pflichten für Doppelstaatsbürger gelten und was sich für Deutsche durch die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2024 geändert hat. Einen Überblick über andere Länder finden Sie im Leitfaden zur doppelten Staatsbürgerschaft, kurze Antworten auf Einzelfragen im Beitrag Erlauben die USA die doppelte Staatsbürgerschaft?.

Erlaubt das US-Recht die doppelte Staatsbürgerschaft?

Ein Gesetz, das die doppelte Staatsbürgerschaft ausdrücklich erlaubt, gibt es in den USA nicht — ebenso wenig ein Verbot. Die US-Regierung erkennt an, dass Doppelstaatsbürgerschaft existiert, fördert sie aber nicht. Wer eine ausländische Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert die amerikanische dadurch nicht automatisch.

Der Verlust der US-Staatsbürgerschaft ist nur über sogenannte Expatriation Acts möglich, die das Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetz aufzählt (8 U.S.C. § 1481), etwa der förmliche Verzicht vor einem US-Konsul. Entscheidend ist, dass die Handlung freiwillig und mit der Absicht vorgenommen wird, die US-Staatsbürgerschaft aufzugeben. Das hat der Supreme Court in den Entscheidungen Afroyim v. Rusk (1967) und Vance v. Terrazas (1980) bestätigt.

Bei der Einbürgerung in den USA leisten Antragsteller einen Treueeid, in dem sie früheren Bindungen an andere Staaten abschwören. Ob die bisherige Staatsangehörigkeit dadurch tatsächlich erlischt, bestimmt jedoch nicht das US-Recht, sondern das Recht des anderen Staates.

Pflichten von Doppelstaatsbürgern gegenüber den USA

  • Ein- und Ausreise mit US-Pass. US-Bürger müssen grundsätzlich mit einem US-Reisepass in die USA einreisen und aus den USA ausreisen (8 U.S.C. § 1185(b)), auch wenn sie zusätzlich einen anderen Pass besitzen.
  • Steuererklärung bei Wohnsitz im Ausland. Die USA besteuern ihre Bürger nach der Staatsangehörigkeit, nicht nach dem Wohnsitz. Auch wer dauerhaft in Deutschland lebt, muss in der Regel jährlich eine US-Steuererklärung (Form 1040) abgeben.
  • Meldung ausländischer Konten (FBAR). Übersteigt der Gesamtwert aller Auslandskonten zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr 10.000 USD, ist ein FBAR-Bericht abzugeben (IRS: FBAR). Zusätzlich kann Form 8938 nach FATCA erforderlich sein.
  • Registrierung beim Selective Service. Fast alle männlichen US-Bürger zwischen 18 und 25 Jahren müssen sich registrieren, auch wenn sie im Ausland leben (Selective Service System).
  • Eingeschränkter konsularischer Schutz. Hält sich ein Doppelstaatsbürger im Land seiner zweiten Staatsangehörigkeit auf, behandelt ihn dieses Land in der Regel ausschließlich als eigenen Staatsangehörigen. Die US-Botschaft kann dann nur begrenzt helfen.

Steuern: Doppelbesteuerung vermeiden

Wer in Deutschland lebt und zugleich US-Bürger ist, ist in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig und muss trotzdem in den USA erklären. Eine echte Doppelbelastung lässt sich meist vermeiden, aber nur mit sauberer Erklärung in beiden Ländern:

  • Foreign Earned Income Exclusion (FEIE) — im Ausland erzieltes Arbeitseinkommen kann bis zu einem jährlich angepassten Höchstbetrag von der US-Steuer ausgenommen werden; der aktuelle Betrag wird vom IRS veröffentlicht.
  • Foreign Tax Credit — im Ausland gezahlte Einkommensteuer wird auf die US-Steuer angerechnet.
  • Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland–USA — regelt, welcher Staat welche Einkünfte besteuern darf. Wegen der sogenannten Saving Clause behalten sich die USA dabei das Recht vor, ihre eigenen Bürger weiterhin zu besteuern; das Abkommen verhindert die Doppelbelastung vor allem über die Anrechnung.

Häufige Probleme in der Praxis sind deutsche Investmentfonds, die in den USA steuerlich ungünstig behandelt werden, sowie Banken, die US-Bürgern wegen der FATCA-Meldepflichten Konten verweigern. Diese Fragen sollten vor einer Einbürgerung oder einem Umzug geklärt werden.

Deutsche und US-Staatsbürgerschaft: Was gilt seit 2024

Seit dem 27. Juni 2024 erlaubt das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz die Mehrstaatigkeit grundsätzlich. Die frühere Regel, nach der Deutsche ihre Staatsangehörigkeit beim Erwerb einer ausländischen verloren, wenn sie keine Beibehaltungsgenehmigung hatten, ist gestrichen (StAG, § 25 weggefallen). Für Deutsche, die sich in den USA einbürgern lassen, und für US-Bürger, die in Deutschland eingebürgert werden, ist ein Verzicht auf die bisherige Staatsangehörigkeit damit nach deutschem Recht nicht mehr nötig.

Für die Einbürgerung in Deutschland ist in der Regel ein rechtmäßiger gewöhnlicher Aufenthalt von fünf Jahren erforderlich (§ 10 StAG), dazu Sprachkenntnisse, Lebensunterhaltssicherung und ein Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Kinder, die in den USA geboren werden und einen deutschen Elternteil haben, sind meist von Geburt an deutsch und amerikanisch. Eine wichtige Ausnahme: Wurde der deutsche Elternteil selbst nach dem 31. Dezember 1999 im Ausland geboren und lebt dort, erwirbt das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit nur, wenn die Geburt innerhalb eines Jahres beim deutschen Standesamt bzw. über die Auslandsvertretung beantragt wird (§ 4 Abs. 4 StAG). Diese Frist wird in der Praxis oft versäumt.

Wege zur zweiten Staatsbürgerschaft für US-Bürger

  • Geburt. Wer in den USA geboren wird, ist US-Bürger (mit Ausnahmen etwa für Kinder von Diplomaten). Haben die Eltern eine andere Staatsangehörigkeit, erwirbt das Kind diese oft zusätzlich nach dem Abstammungsprinzip.
  • Abstammung. Mehrere Staaten vergeben die Staatsangehörigkeit an Nachkommen ihrer Bürger. Die Voraussetzungen ändern sich jedoch — Italien hat sie zum Beispiel 2025 deutlich verschärft. Vor einem Antrag sollte die aktuelle Rechtslage geprüft werden.
  • Einbürgerung oder Ehe. Nach einigen Jahren Aufenthalt oder Ehe mit einem Staatsangehörigen ist in vielen Ländern eine Einbürgerung möglich; die US-Staatsbürgerschaft bleibt dabei erhalten.
  • Investition. Einige Staaten verleihen die Staatsbürgerschaft für eine qualifizierte Investition oder einen Beitrag an einen staatlichen Fonds. Einen Vergleich der Programme finden Sie unter Staatsbürgerschaft durch Investition.

Verzicht auf die US-Staatsbürgerschaft

Manche Doppelstaatsbürger entscheiden sich wegen der Steuerpflichten für den Verzicht. Er wird persönlich vor einem US-Konsul im Ausland erklärt und ist in der Regel endgültig. Danach ist die Einreise in die USA nur noch als Ausländer möglich, also je nach zweitem Pass mit ESTA oder Visum.

Steuerlich kann der Verzicht eine Wegzugsbesteuerung (Exit Tax) auslösen. Sie betrifft sogenannte Covered Expatriates — unter anderem Personen mit einem Nettovermögen von 2 Mio. USD oder mehr, mit einer durchschnittlichen US-Einkommensteuer über einem jährlich angepassten Schwellenwert oder ohne Nachweis, dass sie ihre Steuerpflichten der letzten fünf Jahre erfüllt haben (IRS: Expatriation Tax). Dafür wird Form 8854 eingereicht.

Öffentliche Ämter und Sicherheitsüberprüfung

Präsident oder Vizepräsident der USA kann nur werden, wer die US-Staatsbürgerschaft von Geburt an besitzt. Für die meisten Stellen im öffentlichen Dienst ist eine zweite Staatsangehörigkeit kein Hindernis. Bei Tätigkeiten mit Sicherheitsfreigabe (Verteidigung, Nachrichtendienste) wird eine ausländische Staatsangehörigkeit jedoch im Einzelfall geprüft und kann die Freigabe erschweren.

Beratung zur doppelten US-Staatsbürgerschaft

Wir prüfen Ihre Situation: Staatsangehörigkeitsrecht beider Länder, Pflichten gegenüber den USA, Fristen für Kinder und die Folgen eines Verzichts.

Häufig gestellte Fragen

Kann ein US-Bürger zusätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit haben?

Ja. Das US-Recht verbietet es nicht, und seit dem 27. Juni 2024 lässt auch das deutsche Recht die Mehrstaatigkeit grundsätzlich zu. Eine Einbürgerung in Deutschland setzt in der Regel fünf Jahre rechtmäßigen Aufenthalt voraus.

Verliere ich die US-Staatsbürgerschaft, wenn ich einen anderen Pass annehme?

Nicht automatisch. Ein Verlust setzt eine in 8 U.S.C. § 1481 genannte Handlung voraus, die freiwillig und mit der Absicht vorgenommen wird, die US-Staatsbürgerschaft aufzugeben — typischerweise ein förmlicher Verzicht vor einem US-Konsul.

Muss ich in den USA Steuern zahlen, wenn ich in Deutschland lebe?

Sie müssen in der Regel eine US-Steuererklärung abgeben. Ob tatsächlich US-Steuer anfällt, hängt von Ihren Einkünften ab: Über die Foreign Earned Income Exclusion, die Anrechnung deutscher Steuern und das Doppelbesteuerungsabkommen wird eine doppelte Belastung meist vermieden. Zusätzlich gelten Meldepflichten wie FBAR.

Mit welchem Pass reise ich in die USA ein?

US-Bürger müssen grundsätzlich mit dem US-Reisepass ein- und ausreisen, auch wenn sie einen zweiten Pass besitzen. ESTA steht US-Bürgern nicht zur Verfügung.

Ist mein in den USA geborenes Kind automatisch deutsch?

Meist ja, wenn ein Elternteil deutsch ist. Wurde dieser Elternteil aber selbst nach dem 31. Dezember 1999 im Ausland geboren und lebt dort, muss die Geburt innerhalb eines Jahres beim deutschen Standesamt beziehungsweise über die Auslandsvertretung angezeigt werden (§ 4 Abs. 4 StAG).

Termin vereinbaren
Ihre Nachricht wurde gesendet!