Doppelte Staatsbürgerschaft: Grundregeln und Länderbeispiele für Investoren

Sie denken über einen zweiten Pass nach, wissen aber nicht, ob Ihr Heimatland das zulässt? Staaten gehen mit der doppelten Staatsbürgerschaft sehr unterschiedlich um: In manchen ist sie uneingeschränkt erlaubt, in anderen kann der Erwerb einer weiteren Staatsangehörigkeit zum Verlust des ersten Passes und zu rechtlichen Problemen führen. Bevor Sie investieren, sollten deshalb drei Fragen geklärt sein: Was erlaubt Ihr Heimatrecht, was verlangt das Zielland und welche steuerlichen Folgen hat der zweite Pass für Sie?

Doppelte Staatsbürgerschaft: Was sie bedeutet und warum sie für Investoren interessant ist

Bei einer doppelten (oder mehrfachen) Staatsbürgerschaft ist eine Person gleichzeitig Staatsangehöriger von zwei oder mehr Ländern. Sie besitzt Pässe dieser Staaten und hat dort jeweils Rechte und Pflichten. Konkret heißt das in der Regel:

  • Sie können beide Pässe für Reisen nutzen;
  • Sie dürfen in beiden Ländern ohne Visum oder gesonderte Aufenthaltserlaubnis leben;
  • Sie dürfen in beiden Staaten arbeiten, unternehmerisch tätig sein und Immobilien erwerben;
  • Sie haben Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung in beiden Ländern.

Umgekehrt bestehen gegenüber beiden Staaten Pflichten, etwa im Steuerrecht oder beim Wehrdienst. Für Menschen, die Vermögen verwalten, international unternehmerisch tätig sind oder ihre Familie absichern möchten, bietet ein zweiter Pass vor allem drei Vorteile:

  1. Bewegungsfreiheit. Je nach Pass entfällt für viele Reiseziele die Visumpflicht. So reisen Inhaber eines Passes von St. Kitts und Nevis visumfrei in den Schengen-Raum und mit ETA ins Vereinigte Königreich.
  2. Finanzielle Flexibilität und Steuerplanung. Eine zweite Staatsangehörigkeit kann den Weg in eine Jurisdiktion mit günstigerem Steuerregime eröffnen. Maßgeblich bleibt aber die steuerliche Ansässigkeit, nicht der Pass allein.
  3. Vermögensschutz. Bei politischen oder wirtschaftlichen Risiken im Heimatland erleichtert ein zweiter Pass es, Vermögen, Geschäftstätigkeit und Familie rechtzeitig zu verlagern.

Drei Modelle: Verbot, eingeschränkte Zulassung, volle Akzeptanz

Ob Mehrstaatigkeit erlaubt ist, entscheidet jedes Land selbst. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden.

Volle Zulassung

Staatsangehörige dürfen eine weitere Staatsangehörigkeit erwerben, ohne die bisherige zu verlieren. Beispiele sind Frankreich, Kanada und St. Kitts und Nevis. Auch Deutschland gehört seit dem 27. Juni 2024 dazu: Mehrstaatigkeit ist seitdem generell zulässig, die Einbürgerung ist in der Regel nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthalts möglich (§ 10 StAG), und der frühere automatische Verlust nach § 25 StAG ist abgeschafft.

Zulassung mit Einschränkungen

Hier ist die doppelte Staatsbürgerschaft nur unter Bedingungen möglich, etwa mit Genehmigung, nach Meldung an die Behörden oder nur im Verhältnis zu bestimmten Staaten. Ein Beispiel ist Südkorea. Die Ukraine erlaubt seit dem Gesetz Nr. 11469 vom 15. Juli 2025 die Mehrstaatigkeit mit Ländern, die in einer Liste des Ministerkabinetts aufgeführt sind. In Japan müssen sich Doppelstaater in der Regel bis zum 20. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden.

Grundsätzliches Verbot

Diese Staaten gehen von einer ausschließlichen Loyalität aus und erkennen eine zweite Staatsangehörigkeit nicht an. China etwa erkennt die doppelte Staatsbürgerschaft nach Art. 3 des Staatsangehörigkeitsgesetzes von 1980 nicht an; wer sich im Ausland niedergelassen hat und freiwillig eine fremde Staatsangehörigkeit erwirbt, verliert die chinesische nach Art. 9 automatisch. Auch Indien lässt keine doppelte Staatsbürgerschaft zu.

Steuern: Worauf Investoren achten müssen

Die wichtigste Frage vor dem Erwerb eines zweiten Passes lautet: Wie verändert sich meine steuerliche Situation? Die doppelte Staatsbürgerschaft führt nicht automatisch zur Doppelbesteuerung. Entscheidend ist in den meisten Ländern die steuerliche Ansässigkeit, nicht die Staatsangehörigkeit. Viele Staaten besteuern das Welteinkommen ihrer Steuerresidenten, nicht aber das von Staatsbürgern, die im Ausland leben. Eine bekannte Ausnahme sind die USA, die ihre Staatsbürger unabhängig vom Wohnsitz besteuern.

Erwerben Sie einen Pass eines Landes, das ausländische Einkünfte nicht besteuert, kann das eine legale Steuergestaltung ermöglichen, vorausgesetzt, Sie verlegen auch Ihre steuerliche Ansässigkeit wirksam. Prüfen Sie außerdem, ob zwischen Ihrem Heimatland und dem Staat Ihrer zweiten Staatsangehörigkeit ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) besteht. Solche Abkommen regeln, welcher Staat welche Einkünfte besteuern darf.

Karibische Staaten

St. Kitts und Nevis, Antigua und Barbuda, Grenada, Dominica und St. Lucia erlauben die doppelte Staatsbürgerschaft und verlangen nicht, dass Sie Ihren bisherigen Pass abgeben. Die Programme eignen sich besonders für Investoren, denen Mobilität und eine steuerlich neutrale Struktur wichtig sind. Seit 2024 liegt der Mindestbeitrag in allen fünf Programmen bei mindestens 200.000 USD.

Türkei

Die Türkei vergibt die Staatsbürgerschaft für den Erwerb von Immobilien ab 400.000 USD. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist zulässig. Steuerlich gilt: Wer in der Türkei steuerlich ansässig ist, versteuert dort sein Welteinkommen; Nichtansässige zahlen nur auf türkische Einkünfte. Zu beachten sind außerdem die türkische Erbschaft- und Schenkungsteuer und ein allgemeiner Körperschaftsteuersatz von 25 %. Die Türkei ist ein Vertragsstaat des US-amerikanischen E-2-Visums.

Portugal

Portugal erkennt die doppelte Staatsbürgerschaft an und bietet als EU-Mitglied Zugang zum Binnenmarkt. Das Golden-Visa-Programm wurde jedoch deutlich eingeschränkt, und das Sonderregime NHR ist seit 2024 für neue Antragsteller geschlossen; an seine Stelle trat das engere IFICI-Regime. Die aktuellen Voraussetzungen für Aufenthalt und Einbürgerung sollten Sie vor einer Entscheidung individuell prüfen lassen.

Programme im Überblick: Staatsbürgerschaft durch Investition bei erlaubter Mehrstaatigkeit

Alle folgenden Länder lassen die doppelte Staatsbürgerschaft zu; den bisherigen Pass müssen Sie nicht abgeben.

LandMindestinvestitionEinreise Vereinigtes Königreich
St. Kitts und Nevisab 250.000 USDvisumfrei mit ETA
Antigua und Barbuda230.000 USD (NDF, Familie bis 4 Personen)visumfrei mit ETA
Grenadaab 235.000 USDvisumfrei mit ETA
Dominicaab 200.000 USDVisum erforderlich
St. Luciaab 240.000 USD (NEF)Visum erforderlich
TürkeiImmobilien ab 400.000 USDVisum erforderlich
Vanuatuab 130.000 USDVisum erforderlich (seit 19.07.2023)

Wo das Vereinigte Königreich visumfrei bereist werden kann, sind Aufenthalte von bis zu sechs Monaten pro Reise möglich.

St. Kitts und Nevis

Das Programm gehört zu den ältesten und bekanntesten der Welt. Der Pass ist über einen nicht rückzahlbaren Beitrag ab 250.000 USD erhältlich, eine Wohnsitzpflicht besteht nicht. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist ohne Einschränkung anerkannt.

Antigua und Barbuda

Der Beitrag zum National Development Fund (NDF) beträgt 230.000 USD für eine Familie mit bis zu vier Personen. Das Recht von Antigua und Barbuda erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft.

Grenada

Der Einstieg liegt bei 235.000 USD. Grenada erkennt die doppelte Staatsbürgerschaft offiziell an. Ein wesentlicher Vorteil: Staatsbürger Grenadas können das US-Investorenvisum E-2 beantragen.

Dominica

Mit einem Mindestbeitrag ab 200.000 USD gehört Dominica zu den günstigeren Programmen. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist vollständig zulässig, ein Wohnsitz im Land wird nicht verlangt. Für das Vereinigte Königreich benötigen Staatsbürger Dominicas ein Visum.

St. Lucia

Die Staatsbürgerschaft ist über einen Beitrag zum National Economic Fund (NEF) ab 240.000 USD sowie über Investitionen in Immobilien, Staatsanleihen oder Unternehmensprojekte erhältlich. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist gesetzlich anerkannt.

Türkei

Der Weg führt über den Kauf von Immobilien ab 400.000 USD. Die türkische Staatsangehörigkeit erleichtert den Zugang zu Märkten im Nahen Osten und eröffnet über den E-2-Vertragsstatus Möglichkeiten in den USA. Der britische Turkish-Businessperson-Weg steht neuen Antragstellern dagegen nicht mehr offen.

Vanuatu

Vanuatu vergibt die Staatsbürgerschaft für einen Beitrag ab 130.000 USD. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist erlaubt, eine Wohnsitzpflicht besteht nicht. Wichtig: Seit dem 3. Februar 2025 ist die Visumfreiheit für den Schengen-Raum dauerhaft aufgehoben (Verordnung (EU) 2025/11), und für das Vereinigte Königreich gilt seit dem 19. Juli 2023 die Visumpflicht.

Malta und Zypern: keine Investorenprogramme mehr

Eine EU-Staatsbürgerschaft durch Investition gibt es nicht mehr. Maltas Programm MEIN wurde 2025 nach dem Urteil des Gerichtshofs der EU (C-181/23) eingestellt; geblieben ist nur ein Ermessensweg für außergewöhnliche Verdienste. Zypern hat sein Programm bereits 2020 geschlossen.

Wie Sie das richtige Land wählen: Empfehlungen aus der Praxis

Klären Sie vor der Wahl einer Jurisdiktion zuerst, ob Ihr Heimatland die doppelte Staatsbürgerschaft zulässt. In manchen Staaten drohen beim Erwerb eines zweiten Passes der Verlust der bisherigen Staatsangehörigkeit, Bußgelder oder sogar strafrechtliche Folgen, wenn der Status verschwiegen wird.

Eine erfahrene Rechtsberatung geht deutlich über das Ausfüllen von Formularen hinaus. Sie umfasst:

  • die Prüfung, ob die doppelte Staatsbürgerschaft in Ihrer konkreten Situation zulässig ist;
  • eine rechtliche Analyse der Zieljurisdiktion einschließlich migrations- und steuerrechtlicher Risiken;
  • den Abgleich der Bedingungen von Programmen zur Staatsbürgerschaft (CBI) oder zum Aufenthalt (RBI) durch Investition mit Ihren Zielen;
  • die Begleitung des Verfahrens von der Vorbereitung der Unterlagen bis zum Pass oder Aufenthaltstitel;
  • bei Bedarf die geordnete Beendigung der bisherigen Steueransässigkeit, um Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Häufige Fehler

  1. Inoffizielle oder „graue“ Programme. Angebote, die einen „Pass in wenigen Wochen“ ohne Beteiligung staatlicher Stellen versprechen, sind meist Betrug oder völkerrechtlich nicht anerkannt. Solche Dokumente können zu Festnahmen bei der Einreise, zum Entzug von Visa oder zu Strafverfahren wegen Urkundenfälschung führen. Prüfen Sie stets, ob das Programm staatlich geregelt und in offiziellen Quellen veröffentlicht ist.
  2. Steuerfolgen ignorieren. Wer Einkünfte aus mehreren Ländern bezieht, muss wissen, wo er steuerlich ansässig ist. Ohne wirksamen Wegzug aus der bisherigen Steueransässigkeit können beide Staaten Steuern auf dieselben Einkünfte verlangen.
  3. Aufenthaltsanforderungen übersehen. Manche Länder vergeben die Staatsbürgerschaft nur nach einer bestimmten Zeit physischer Anwesenheit. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann den Anspruch verlieren oder gar nicht erst erwerben. Das gilt insbesondere für Aufenthaltsprogramme wie Golden Visa, die nicht automatisch zum Pass führen.

Wie wir Investoren unterstützen

Wir prüfen, welches Programm zu Ihren Zielen passt, ob Steueroptimierung, Vermögensschutz, mehr Reisefreiheit oder der Eintritt in neue Märkte im Vordergrund steht. Dabei klären wir, ob Ihr Heimatland die doppelte Staatsbürgerschaft zulässt, analysieren migrations- und steuerrechtliche Risiken und vermeiden Konflikte zwischen den Rechtsordnungen.

Wir begleiten Sie von der Wahl der Jurisdiktion bis zum Pass: Auswahl eines seriösen Programms mit transparenten Bedingungen, rechtliche Prüfung der Unterlagen, Vorbereitung auf die Hintergrundprüfung (Due Diligence) und Abstimmung mit Steuerberatern und Banken, wo nötig. Wir arbeiten mit etablierten Programmen in der Karibik, in der Türkei und in Vanuatu sowie mit Aufenthaltsprogrammen in Europa.

Für eine individuelle Prüfung Ihrer Situation vereinbaren Sie eine Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Führt eine doppelte Staatsbürgerschaft automatisch zur Doppelbesteuerung?

Nein. In den meisten Ländern hängt die Steuerpflicht von der steuerlichen Ansässigkeit ab, nicht von der Staatsangehörigkeit. Eine Ausnahme sind die USA, die ihre Staatsbürger unabhängig vom Wohnsitz besteuern; ob ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, sollte zusätzlich geprüft werden.

Erlaubt Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft?

Ja. Seit dem 27. Juni 2024 ist Mehrstaatigkeit in Deutschland generell zulässig, und der automatische Verlust nach § 25 StAG wurde abgeschafft. Die Einbürgerung ist in der Regel nach fünf Jahren möglich (§ 10 StAG).

Welche karibischen Programme erlauben die doppelte Staatsbürgerschaft?

St. Kitts und Nevis, Antigua und Barbuda, Grenada, Dominica und St. Lucia lassen die doppelte Staatsbürgerschaft zu und verlangen nicht die Aufgabe des bisherigen Passes. Der Mindestbeitrag liegt seit 2024 bei mindestens 200.000 USD.

Kann man noch eine EU-Staatsbürgerschaft durch Investition erwerben?

Nein. Maltas Programm MEIN wurde 2025 nach dem Urteil des Gerichtshofs der EU (C-181/23) eingestellt, Zypern hat sein Programm bereits 2020 geschlossen. In Malta bleibt nur ein Ermessensweg für außergewöhnliche Verdienste.

Mit welchen Investitionspässen braucht man ein Visum für das Vereinigte Königreich?

Staatsbürger von Dominica, St. Lucia, Vanuatu und der Türkei benötigen ein Visum. Inhaber von Pässen aus Grenada, St. Kitts und Nevis sowie Antigua und Barbuda reisen visumfrei mit ETA ein.

Anatoli Jarowoj
Autor
Anatoli JarowojSenior Partner, Rechtsanwalt

Anatoly Yarovyi ist ein äußerst erfahrener Anwalt mit über 20 Jahren herausragender Berufserfahrung. Er ist auf Interpol- und Auslieferungsfälle spezialisiert und berät außerdem hochrangige Personen in Fragen der persönlichen und geschäftlichen Sicherheit, des Datenschutzes und der Freizügigkeit.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Anwalt.

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